Im ersten Beitrag hast du bereits einiges über das Standardverfahren Chlor-Hercosett für die Superwash Ausrüstung bei Wolle gelesen. Bist du erschrocken? Ganz ehrlich, ich war es auch, denn kaum ein Wollproduzent spricht von der enormen Umweltbelastung.
Viele forderten mulesingfreie Wolle und stellten das Tierwohl in den Vordergrund. Die ganzen Umweltsünden werden bis heute totgeschwiegen. Hier im zweiten Teil erfährst du alles über die alternativen Verfahren um die Wolle filzfrei auszurüsten.
Dazu gehören folgende Verfahren:
- Enzym-Verfahren
- EXP-Verfahren
- Plasma-Verfahren (Teil 3)
Enzymverfahren: das Bio – Tuning
Im Gegensatz zur herkömmlichen Superwash-Ausrüstung wird die Faser hier nicht zusätzlich in Plastik eingepackt, sondern an der Oberfläche „biologisch rasiert“ oder geglättet.
Bei der Wollveredelung kommen sogenannte Proteasen zum Einsatz. Aufgrund dessen Wolle aus Keratin (einem Protein) besteht, können diese Enzyme die Struktur der Faseroberfläche gezielt verändern.

Die einzelnen Schritte im Detail
Vorbereitung (Netzen): Die Wolle wird gewaschen und vorbereitet, damit die Enzyme gleichmässig in die Fasern eindringen können.
Aktivierung (Das Enzymbad): Die Wolle kommt in ein Bad mit genau definiertem pH-Wert (meist schwach alkalisch) und einer Temperatur zwischen 40 und 60 Grad. Hier fühlen sich die Enzyme am wohlsten und beginnen, die abstehenden Kanten der Wollschuppen „anzufressen“.
Die biologische Rasur: Die Proteasen bauen die Peptidbindungen der Schuppenschicht ab. Das Verfahren glättet die scharfen Kanten bei den Schuppen, die normalerweise das Verfilzen verursachen.
Das „Killing“ (Deaktivierung): Dies ist der kritischste Schritt. Würden die Enzyme weiterarbeiten, würden sie die gesamte Faser auflösen. Ein Hitzeschock (über 70 Grad) oder eine starke Änderung des pH-Werts deaktiviert die Enzyme schlagartig.
Veredelung (Finishing): Oft wird am Ende ein ökologisches Weichmittel aufgetragen, um den Griff der nun „nackten“ Faser zu optimieren.
Nicht jedes Garn eignet sich für dieses Verfahren. Man findet es vor allem bei:
- Feine Merinowolle: Die Enzyme reduzieren das Kratzen drastisch, weil die Schuppen geglättet werden. Ideal für Babykleidung und Unterwäsche.
- Die Schoeller Spinning Group entwickelte und patentierte dieses Verfahren.
- GOTS-zertifizierte Garne: Weil der Global Organic Textile Standard (GOTS) Chlorbehandlungen verbietet, ist das Enzymverfahren (oft in Kombination mit dem EXP-Verfahren) die erste Wahl für maschinenwaschbare Bio-Wolle.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Kein Mikroplastik: Keine Kunststoffbeschichtung nötig. | Geringere Waschbeständigkeit: Oft nur bis 30°C im Wollprogramm sicher. |
| Natürlicher Griff: Die Wolle behält ihre Atmungsaktivität. | Gefahr der Faserschwächung: Bei falscher Anwendung wird die Wolle „morsch“. |
| Ökologisch: Biologisch abbaubar und chlorfrei. | Kosten: Das Verfahren ist teurer als die Standard-Chlorierung. |
EXP – Verfahren: die chlorfreie superwash Alternative
Hinter dem Kürzel verbirgt sich die Abkürzung für „EX-Pollution“ (Vermeidung von Umweltverschmutzung). Es ist das erste Verfahren weltweit, welches die strengen Auflagen für Bio-Textilien erfüllt und dennoch eine uneingeschränkte Maschinenwaschbarkeit garantiert.
Die Schoeller Spinning Group entwickelte und patentierte dieses Verfahren. Vorwiegend im eigenen Haus wird das EXP-Verfahren angewendet. Im Gegensatz zum klassischen Superwash-Verfahren, das mit aggressivem Chlor arbeitet, setzt EXP auf eine intelligente Kombination aus Sauerstoff und natürlichen Salzen.
Schematische Darstellung des EXP-Verfahrens

Vorbereitung: Wie immer startet der Prozess am Kammzug. Die Wolle wird genetzt und für die Behandlung vorbereitet.
Oxidation ohne Chlor: Anstatt die Schuppen mit Chlor „abzuätzen“, nutzt das EXP-Verfahren Sauerstoff, um die Oberfläche der Wollfaser gezielt aufzubrechen. Dies geschieht in einem kontrollierten chemischen Prozess, der deutlich sanfter zur Faser ist, als beim Chlor-Hercosett-Verfahren.
Das Öko-Polymer: Im nächsten Schritt werden die Schuppen mit einem speziellen, ökologisch unbedenklichen Polymer geglättet. Das Besondere: Dieses Polymer ist biologisch abbaubar und entspricht den strengsten Umweltstandards.
Fixierung: Dieser Prozess stabilisiert die Beschichtung, sodass sie auch nach vielen Wäschen nicht ausgewaschen wird.
Welche Wollfasern
Das EXP-Verfahren wird vor allem für hochwertige Wolltypen eingesetzt, bei denen Nachhaltigkeit und Qualität im Vordergrund stehen.
- Merinowolle: Dies ist der prominenteste Wolltyp für dieses Verfahren. Bekannte Marken nutzen es speziell für ihre Merino-Linien, wie zum Beispiel Austermann (Merino EXP) und Opal (Merino-Linien).
- Hochwertige Handstrickgarne: Das Verfahren findet breite Anwendung bei Garnen, die für das Selberstricken im Premium-Bereich gedacht sind.
- Premium-Mode: Auch in der industriellen Fertigung von hochwertiger Oberbekleidung wird EXP-behandelte Wolle eingesetzt.
- Kammzug: Der Prozess startet technisch gesehen direkt am Kammzug, eher die Wolle weiterverarbeitet wird.
Hintergrund-Check: Das EXP-Patent – Ein „Schoeller-Original“
Vielleicht ist dir aufgefallen, dass der Begriff EXP (kurz für EX-Pollution ) immer wieder im Zusammenhang mit bestimmten Marken auftaucht. Das hat einen einfachen Grund: Das Verfahren ist eine geschützte Innovation der Schoeller Spinning Group.
- Exklusive Technologie: Schoeller hat dieses Verfahren entwickelt, um eine chlorfreie und ökologische Antwort auf die herkömmliche Superwash-Ausrüstung zu geben.
- Kein Standard für jedermann: Weil es sich um ein patentiertes Verfahren handelt, können andere Spinnereien es nicht einfach kopieren. Darüber hinaus erfordert die Umsetzung Investitionen in Millionenhöhe, weshalb die Technik so einzigartig bleibt..
- Warum nutzen es Marken wie Opal? Wenn du bei Marken wie Opal oder Austermann auf das EXP-Siegel stösst, bedeutet das, dass diese Hersteller ihre Rohgarne (Kammzüge) direkt bei Schoeller beziehen. Infolgedessen nutzen sie also die Expertise und die patentierte Technik der Schoeller-Spinnerei für ihre eigenen Kollektionen.
- Das Gütesiegel: Für dich als Stricker/in ist das Kürzel EXP ein Garant dafür, dass man die Wolle nach den weltweit strengsten Öko-Standards wie GOTS oder Bluesign veredelt – und zwar völlig ohne Chlor und ohne klassische Kunststoff-Ummantelung.
Das EXP-Verfahren wird vor allem für hochwertige Wolltypen eingesetzt, bei denen Nachhaltigkeit und Qualität im Vordergrund stehen.
- Merinowolle: Dies ist der prominenteste Wolltyp für dieses Verfahren. Bekannte Marken nutzen es speziell für ihre Merino-Linien, wie zum Beispiel Austermann (Merino EXP) oder Opal (Merino-Linien).
- Hochwertige Handstrickgarne: Das Verfahren findet breite Anwendung bei Garnen, die für das Selberstricken im Premium-Bereich gedacht sind.
- Premium-Mode: Auch in der industriellen Fertigung von hochwertiger Oberbekleidung wird EXP-behandelte Wolle eingesetzt.
- Kammzug: Technisch gesehen startet der Prozess direkt am Kammzug, anschliessend wird die Wolle weiterverarbeitet.
- Bio-zertifizierte Wolle: Des weiteren das Verfahren chlorfrei ist und die strengen Auflagen für Bio-Textilien erfüllt, ist es ebenso der Standard für Wolle, die als GOTS- oder Bluesign-zertifiziert auf den Markt kommt.

Zertifikate

- GOTS (Global Organic Textile Standard): Das EXP-Verfahren war das erste weltweit, welches die extrem strengen ökologischen Auflagen dieses Standards für maschinenwaschbare Wolle erfüllte.
- Bluesign: Dieses Siegel garantiert eine nachhaltige und schadstofffreie Herstellung entlang der gesamten Lieferkette.
- Öko-Tex Standard 100: Dieses Zertifikat bestätigt, dass das fertige Garn auf Schadstoffe geprüft wurde. Infolgedessen das fertige Produkt gesundheitlich unbedenklich ist.
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Quellenverzeichnis & Refrenzen zum Thema Superwash bei Wolle
https://www.woolmark.com/environment/wool-and-microplastics
https://manteco.com/what-is-machine-washable-wool-superwash-and-more-sustainable-solutions
https://www.northernplayground.no/en/product-stories/superwash
https://lampoonmagazine.com/wool-circular-environmentally-friendly
https://threadcollective.com.au/blogs/fibre/ethical-wool-production
https://threadcollective.com.au/blogs/fibre/superwash-vs-nonsuperwash
https://farmfiberknits.com/what-is-the-superwash-process-and-what-does-it-do-to-wool
https://making-stories.com/blogs/blog/why-is-superwash-yarn-not-sustainable
https://littleskein.substack.com/p/the-truth-about-superwash-yarn
https://www.schoeller-wolle.de/schoeller-wolle-mit-exp
https://suedwebs.com/innovation/naturetexx-plasma
https://www.naturetexxplasma.com/en/wool
https://www.woollykins.com.au/pages/machine-washable-merino-wool
https://www.schoeller-wolle.de/en/zimba-top-exp
https://schoeller-wool.com/products
https://www.stafil.com/downloads/Schoeller_2020-2021.pdf
https://lieblingsgarn.de/collections/schoeller-stahl
https://litlg.com/superwash-and-non-superwash-yarns
https://www.laughinghens.com/yarns-wools/superwash
https://realgoodyarns.co.uk/plastic-free/plastic-free-yarn/22.
https://www.reddit.com/r/PlasticFreeLiving/comments/1pf2ub6/wool_superwash_information_ive_gathered_recently
https://www.meruladesigns.com/knitting/non-superwash
https://www.hobbyshopy.com/blogs/wool-and-tools/what-is-superwash-wool-a-cozy-guide
https://wildwoollys.com/blogs/articles/superwash-vs-non-superwash-wool-washing-instructions
https://en.filcolana.dk/how-to-wash
https://lainedesiles.com/en/blogs/news/plus-de-superwash-no-more-superwash
https://makingstories.com/de/blogs/blog/why-issuperwash-yarn-notsustainable
https://webgate.ec.europa.eu/life/publicWebsite/project/LIFE05-ENV-D-000195/sustainableaox-free-superwashfinishing-of-wooltops-for-the-yarnproduction
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15440478.2024.2408626
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0959652614010440
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6369147/
https://iwto.org/resources/

